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Streuobstwiese Lugensee

Beim Lugensee handelt es sich um eine natürlichen See, der durch das Oberflächenwasser der umliegenden Felder (ca. 100 Tagwerk) gespeist wurde. Dieser konnte nach längeren starken Regenfällen eine Größe von 4 bis 5 Tagwerk erlangen, verschwand aber im Sommer bei anhaltender Trockenheit.
Bei der Flurbereinigung wurde dieser See durch Dränagen, eine Ableitung sowie Verfüllung stark beinträchtigt. Heute entsteht er nur nach längeren Regenfällen wieder. (siehe dazu auch das Heimatbuch von Jakob Hirschauer)
Im Jahr 2005 wurde das Lugensee Grundstück von der Gemeinde Rott zum Zwecke der Regenrückhaltung und als Ausgleichsfläche für Bebauung gekauft. Die Gemeinde Rott stellte das Grundstück in der Folge dem Obst- und Gartenbauverein zur Verfügung, um ein Streuobstwiese anzulegen.

 

Lage des Lugensees und der Streuobstwiese auf Google Maps:

 

 

 

Streuobstwiese Lugensee – Hintergründe und Bedeutung

 

2005 hat die Gemeinde Rott die Fläche am Lugensee (ca. 3 ha) als Ökoausgleichsfläche für ein Ökokonto gekauft. Dazu muss man wissen, dass die Gemeinde Eingriffe in die Natur, wie sie sich z.B. durch Ausweisung eines Baugebietes oder durch Straßenbau ergeben, nach dem Bundesnaturschutzgesetz an anderer Stelle durch Aufwertung einer Fläche wieder ausgleichen muss. Sie muss also ihren Eingriff wieder kompensieren. Der Ausgleich ist in einem Ökokataster zu dokumentieren.

Dieser Erwerb der Ökoausgleichsfläche am Lugensee ermöglichte es dem Obst- und Gartenbauverein Rott eine Streuobstwiese anzulegen. Für die Gemeinde hatte dieses den großen Vorteil, dass sie dadurch wesentlich mehr Ökopunkte bekommen hat, als wenn sie nur einen Acker in Wiese umgewandelt oder eine bestehende Wiese extensiviert hätte. Streuobstwiesen gehören nach Ansicht von Fachleuten zu den wertvollsten Biotopen aus Menschenhand. Die Ökopunkte werden für die Gemeinde dadurch deutlich billiger und da die Kosten für die Ausgleichsmaßnahme auf die Baugebiete umzulegen ist, profitiert auch der Bauwerber. Es handelte sich also um eine typische win - win Situation.


Vorrangiges Ziel des Gartenbauvereins war es, durch Anlage einer Streuobstwiese aktive Naturschutzarbeit zu leisten und unseren Mitgliedern Kenntnisse im Obstbau und der Sortenvielfalt zu vermitteln.


Die Fläche am Lugensee bestand zu ca. 2/3 aus einer Viehweide und zu 1/3 aus Acker. Im östlichen Teil der Viehweide der Lugensee, eine Wasserfläche, welche jährlich trocken fällt und durch den Weidebetrieb stark beeinträchtigt war.

Der Acker wurde vom Gartenbauverein mit einer artenreichen Wiese mit hohem Kräuteranteil (Fettwiese, Rieger-Hofmann) eingesät. Die Fläche oberhalb des Sees wurde von Herbst 2005 bis Frühjahr 2008 mit 99 Obst-Hochstämmen (überwiegend Apfel, daneben Birne, Kirsche und Zwetschge) bepflanzt. An der Westseite wurde eine Feldhecke gepflanzt und an der Südseite, sowie entlang der Feldhecke ein Obst-Spalier aus insgesamt 70 Obstbuschbäumen angelegt. An der Nordwestseite befindet sich ein Weinberg, der vom Gemeinderat angelegt wurde und von ihm betrieben wird.

 

Bilder von der Anlage der Streuobstwiese in 2005:

 

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Bestand (Jan 2016):

Hochstämme: 86 Äpfel, 8 Birnen, 4 Kirschen, 2 Zwetschgen - gesamt 100 Bäume

Buschbäume: 51 Äpfel, 5 Birnen, 2 Kirschen, 6 Zwetschgen, 2 Mirabellen, 1 Reneclaude, 2 Quitten und 1 Mispel – gesamt 70 Bäume

 

Entwicklung der Streuobstwiese

 

Der Unterschied zwischen Hochstamm und Buschbaum ist nur die Unterlage. Obstbäume (Sorten) sind in aller Regel veredelt, wobei ein Hochstamm auf Sämlingsunterlage, ein Buschbaum auf schwachwachsender Wurzel, sog. Typenunterlage steht. Dabei gibt es unterschiedliche Typenunterlagen, die Einfluss auf Baumgröße, Ertragsbeginn, Frosthärte, Widerstandsfähigkeit usw. haben. Es ist daher nicht nur wichtig zu wissen, welche Sorte ich pflanze, sondern auf welcher Wurzel der Baum steht. Bei der Pflanzung wurden die Bäume mit Sortennamen, Verwendungszweck (Tafel, Most oder Wirtschaftsapfel), Pflückreife und Genussreife beschriftet. Die Ansicht, dass es mit etwas scheiden und erziehen der Bäume getan wäre, stellte sich als falsch heraus.

 

Folgende Problem traten auf, weshalb auch nachgepflanzt werden musste:

Bei den Buschbäumen gab es dazu verschiedentlich Probleme mit der Wüchsigkeit. So ist Unterlage M9 ist für die Anlage einer Streuobstwiese einfach zu schwachwüchsig und braucht bessere Bedingungen. Andere Buschbäume haben sich dagegen stärker entwickelt, wie geplant.

 

Als die Bäume ins Ertragsalter kamen, wurde festgestellt, dass etliche Sorten nicht stimmten. Wenn ein „Gelber Edelapfel“ plötzlich rote Äpfel trägt, merkt auch ein Laie, dass etwas nicht stimmt. Der Pomologe (Pomologie - Obstbaumkunde) Anton Klaus hat zahlreiche falsche Sorten identifiziert. Bei einigen Sorten konnte er nur sagen, dass sie falsch sind. Die genaue Sorte war nicht zu bestimmen.

Wir wissen inzwischen, dass auch bei Bezug der alten Sorten von Spezialbaumschulen, mit einer Fehlerquote bis zu 1/3 zu rechnen ist. Ursache dürfte sein, dass die Baumschulen zwar ihr lokales Sortiment gut kennen, aber bei der Weitergabe von alten Sorten, oft Fehler passieren, wobei die Weitergabe in guten Glauben erfolgt. Das zeigt auch, dass nicht nur viele Sorten, sondern auch viel Wissen über die Sorten bereits verloren gegangen ist.